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VITÓRIA (VORFILM) SIN SEÑAS PARTICULARES

VICTORIA (KURZFILM)
Ricardo Alves Jr, 2020, Brasilien, 14‘, OmeU

Ihre Arme fühlen sich taub an, wenn sie morgens erwacht. Tagsüber ist sie müde und erschöpft. Der Puls der Maschinen hallt in ihrem Körper nach. In kräftezehrenden Nachtschichten hält Vitória, zusammen mit anderen Arbeiterinnen, die Produktion einer Textilfabrik am Laufen. Sie will nicht länger hinnehmen, dass ihre Arbeitsrechte mit Füßen getreten werden, dass sie unzureichend bezahlt und während ihrer Schichten von Sicherheitskräften sexuell belästigt wird. Sie informiert sich über ihr Recht zu streiken, spricht mit Anwälten und motiviert ihre Kolleginnen, sich nicht länger einschüchtern zu lassen, sondern zu streiken. Die Protagonistin Vitória des gleichnamigen Kurzfilms von Regisseur und Produzent Ricardo Alves Jr. wird von der Schauspielerin Rejane Faria verkörpert, die anderen Darstellerinnen sind tatsächliche Arbeiterinnen einer Textilfabrik in Miraí (Brasilien). Die Arbeitsabläufe und die Lautstärke der Fabrik werden in der Aufnahme so eingefangen, dass die Belastung, das unangenehme Gefühl auf den Ohren und die Unruhe, die sich im Körper ausbreitet, spürbar wird und es dadurch kaum vorstellbar ist, Nacht für Nacht dort zu arbeiten.

SIN SEÑAS PARTICULARES
Fernanda Valadez, 2020, Mexiko / Spanien, 97ˈ, OmdU

Der mexikanische Jugendliche Jesús begibt sich mit der Hoffnung in den USA eine bessere Zukunft zu finden auf eine Reise in Richtung der mexikanisch-amerikanischen Grenze – eine Gegend, die nicht umsonst Todeszone genannt wird. Sein gleichaltriger Wegbegleiter stirbt bei der riskanten Grenzüberquerung und von Jesús selbst fehlt jede Spur. Seine Mutter hält die Ungewissheit nicht länger aus und begibt sich nun in die gleiche Richtung; voller Hoffnung ihn lebend wieder zu finden, auch wenn vieles dafürspricht, dass er die Todeszone nicht überlebt hat. Auf ihrem Weg trifft sie Miguel, einen jungen Mann der Jesús Zukunftspläne teilte, aber nach erfolgreicher Grenzüberquerung von den USA zurück nach Mexiko abgeschoben wurde, und nun seine Mutter sucht. Das Spielfilmdebüt der mexikanischen Regisseurin Fernanda Valadez basiert auf realen Geschichten von mexikanischen Migrant*innen, die in der Todeszone verschwanden. Die Verlorenheit und Hoffnungslosigkeit, die Jesús Mutter und Miguel ausstrahlen, verdeutlichen eine Realität vieler mexikanischer Familien. Beeindruckende (Landschafts-)Aufnahmen der Kamerafrau Claudia Becerril begleiten das intensive Spiel der Darsteller*innen.

22.10.2021
19:00

Schaubühne Lindenfels