8.Lateinamerikanische Tage vom 15 bis 26.11.2017
ein Projekt von Sudaca e.V. | 

2013

2013

photosprogramm-2013

Der deutsche Freund

Jeanine Meerapfel, Argentinien/Deutschland, 2011, 100′

Sulamit, Tochter aus Deutschland emigrierter Juden, wächst im Buenos Aires der 50er Jahre auf. In direkter Nachbarschaft leben hier aus Europa geflohene Juden und Nazis. So trifft Sulamit auf Friedrich, dem sie sich sehr nah fühlt. Als sich herausstellt, dass Friedrichs Vater SS-Obersturmbannführer war, bricht er mit seiner Familie und schließt sich der Studentenbewegung in Deutschland an. Sulamit folgt ihm, doch neben seinem politischen Engagement ist für sie kein Platz. Schließlich verschwindet Friedrich, der zuvor einer argentinischen Guerillabewegung beigetreten war, spurlos. Sulamit begibt sich auf die Suche.


Mujer lobo (Wolfsfrau)

Tamae Garateguy, Argentinien, 2013, 92′

Der aus der Feder des argentinischen Independent-Kinos stammende Film entstand in der U-Bahn Linie B von Buenos Aires. Er erzählt die Geschichte einer Serienmörderin. In einen immer anderen Typ verwandelt befördert sie ihre männlichen Opfer zunächst in ihr Bett und anschließend auf direktem Wege ins Jenseits. Bis sie eines Tages auf ein Problem stößt, das sich nicht so leicht lösen lässt. Sexy, hochstilisiert, gewalttätig und großzügig spielt “Wolfsfrau” mit einer Reihe von Stereotypen, die von eben solchen “Kerlen” bedient werden.


La otra familia (Familienträume)

Gustavo Loza, Mexico, 2011, 100′

Jean Paul und Chema sind seit zehn Jahren ein schwules Paar. Eine starke, offene und erfolgreiche Beziehung, die allen Vorurteilen und Schranken eines machodominierten und streng religiösen Landes wie Mexiko trotzt. Als sie am Morgen nach der Hochzeit ihre beste Freundin Ivana bittet, den siebenjährigen Hendrix vorübergehend aufzunehmen, gerät ihre Welt aus dem Ruder. Ein Sumpf aus Drogen, Erpressung, Kinderhandel und Mord öffnet sich vor ihren Augen. Doch im Kampf um das Wohl des Kleinen werden aus Lämmern Löwen.


Comuna en construcción (Comuna im Aufbau)

Dario Azzellini /Oliver Ressler, Deutschland/Venezuela, 2010, 94′

Thema des Films sind die Kommunalen Räte, die im Rahmen der angestrebten »partizipativen und protagonistischen« Demokratie in Venezuela seit 2006 neben den bestehenden Institutionen gegründet werden. Während medial meist das Klischee vom omnipräsenten und prinzipiell allein entscheidenden Hugo Chávez bedient wird, zeigen Dario Azzellini und Oliver Ressler in ihrem neuen Film »Comuna im Aufbau« eine gänzlich andere Entwicklung auf.


Count – Down am Xingu III

Martin Keßler, Deutschland, 2013, 76′

Januar 2013. Brasilianisches Amazonasgebiet. Wir werden Zeugen, wie Indigene eine Straße blockieren und 30 Busse in ihre Gewalt bringen. Aus Protest gegen den staatseigenen Energiekonzern Norte Energia, der am Fluss Xingu den drittgrößten Staudamm der Welt – Belo Monte – errichten lässt. 600 qkm Urwald werden dafür gerodet, 40 000 Menschen umgesiedelt. „Die Regierung bricht das Gesetz“, sagt uns einer der Indigenen. Und der katholische Bischof von Altamira, Dom Erwin Kräutler, fügt hinzu: „Die Staatsanwaltschaft hat 50 Prozesse gegen Belo Monte angestrengt. Diese Arbeiten müssen gestoppt werden. Sonst sind hier alle tot“.


La Voz Lenca no se calla – Wo der Tod Teil der Landschaft ist

Nina Kreuzinger/Andrea Lammers, Deutschland, 2013, 37′

Honduras im Ausverkauf: Nationale Oligarchen und ausländische Unternehmen setzen auf eine rigorose Ausbeutung der Naturgüter des Landes ohne die international garantierten Rechte der Bevölkerung zu achten. RadiomacherInnen und AktivistInnen aus dem Volk der Lenca im westlichen Hochland von Honduras bei ihrem exemplarischen Kampf gegen Repression und Kriminalisierung, für Menschenwürde und Selbstbestimmung.


City of Favelas – Urbane Reform und das Recht auf Stadt in Brasilien

Adrian Mengay / Maike Pricelius, Brasilien, 2009, 49′

In Favelas und verfallenen Häusern konzentriert sich die urbane Armut. Wie Bienenwaben türmen sich die wilden Bebauungen entlang brasilianischer Städte. Ausgehend von den prekären Orten spürt der Film dem Phänomen der Selbstermächtigung nach und gibt einen Einblick in das Leben der BewohnerInnen. Er begleitet AkteurInnen in Sao Paulo und Rio de Janeiro, präsentiert die Auseinandersetzung um das Recht auf Stadt und dokumentiert politische, ökonomische und kulturelle Alternativen zu sozialer Exklusion.


Auf meinen High-HEELS

Fernando Reyes, Honduras, 2010, Dok, 30’

»En mis Tacones« ist ein Dokumentarfi lm über die transsexuelle Lebensrealität in Honduras nach dem Putsch im Jahr 2009. Die Dokumentation zeigt das Leben von Transsexuellen in Honduras, ihren Alltag zwischen Diskriminierung und eigener Identitätsfi ndung, Sexarbeit als Überlebensstrategie und thematisiert die zahlreichen Morde an Mitgliedern der Community. Viele dieser Morde gehen auf das Konto von Polizisten und Militärs. Als wichtiger Teil des Widerstands gegen den Putsch ist die LGBT-Bewegung von der repressiven Situation in Honduras besonders betroffen.


Bajo Aguán: Grito por la Tierra

Alba Sud, Honduras, 2013, Dok, 30’

Im Gebiet Bajo Aguán in Honduras schwelt schon seit vielen Jahren ein Konfl ikt zwischen den örtlichen Bauern, die um ihr Recht auf Land kämpfen und den großen Palmenplantagen, die aufgrund der steigenden internationalen Nachfrage expandieren. Der Palmenanbau führt zur Ausweitung der Monokultur und der Konzentration des Bodens in den Händen weniger großer Unternehmen. Die Arbeitsbedingungen in den Plantagen sind schlecht und gesundheitsschädlich, die Löhne reichen nicht zum Leben. Seit dem Putsch gegen den Präsidenten Manuel Zelaya im Jahr 2009 hat sich der Konfl ikt weiter verschärft und die Repression gegen die Landbevölkerung ist stark gestiegen.


Un bosque para la vida

Ernest Cañada, Panama, 2013, Dok, 10‘

Anhand von Interviews mit Bauern in der Provinz Darién in Panama zeigt der Film die Fortschritte und Erfolge der indigenen Bevölkerung bei der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes. Hindernisse entstehen durch Druck von außen und sind regulatorischer sowie logistischer Art.


Por un tiempo

Gustavo Garzón, Argentinien / Uruguay, 2012, 85’

Leandro und seine Frau Silvina erwarten glücklich die Geburt ihres ersten Kindes. Da erfährt der werdende Vater, dass er bereits eine 12-jährige Tochter hat, von derer Existenz er bisher nichts wusste – entstanden aus einer flüchtigen Affäre. Ihre Mutter ist schwer erkrankt und Leandro steht plötzlich vor der Aufgabe, sich um das Mädchen zu kümmern. Das Leben zu dritt ist für keinen der drei leicht. Das Mädchen ist traurig und in sich gekehrt, die Beziehung zwischen Leandro und Silvina nicht ohne Konflikte. Zwischen Vater und Tochter entsteht nur langsam eine Verbindung.


Diablo – Teufel

Nicanor Loreti, Argentinien, 2011, 85’

In »Diablo« ist Marcos Wainsberg ein ausgedienter Boxer mittleren Alters. Als er eines Tages auf seine Ex-Freundin Ana wartet, taucht sein Cousin Hugo bei ihm auf. Eine Reihe von Missverständnissen führt dazu, dass Marcos, die allseits gefürchtete Box-Legende, sich unfreiwillig in die Probleme dieses kleinen Gangsters einmischt und seine ganze Brutalität zeigt, obwohl er doch eigentlich nur seine Ruhe haben will. Und Ana. Mit absurdem Humor, bizarren Charakteren und roher Gewalt macht der Film seinen Vorbildern von Rodrígues oder Tarantino alle Ehre.


Jardín de Amapolas – Der Mohnblumengarten

Juan Carlos Melo Guevara, Kolumbien, 2012, 88’

Der kolumbianische Farmer Emilio wurde mit seinem neun-jährigem Sohn Simon vom eigenen Land vertrieben und muss sich nun auf einer illegalen Mohnplantage seinen Lebensunterhalt verdienen, die Nachschub für die Heroin-Produktion liefert. Doch schon bald werden sie in die kriminellen Drogengeschäfte ihrer Auftraggeber hineingezogen und so gerät auch der Sohn zwischen die Fronten von FARC, Paramilitärs und kolumbianischer Regierung. Sein einziger Lichtblick ist seine innige Freundschaft zu einem gleichaltrigen Mädchen.


Zona Sur

Juan Carlos Valdivia, Bolivien, 2009, 107’

»Zona Sur«, ein Viertel von La Paz, in dem die bolivianische aristokratische Oberschicht wohnt, stellt den Rahmen für dieses Familiendrama dar. Juan Carlos Valdivia gibt uns einen Einblick in die von Gegensätzen geprägte Welt Boliviens. Wir begleiten eine gut situierte Familie bei ihrem alltäglichen Leben. Ihr kleiner Mikrokosmos, ein prächtiges Haus mit Garten – fern ab von allen Problemen der Realität, scheint langsam zu zerbrechen. Die Herrin des Hauses, die alleinerziehende Mutter Carola, kontrolliert jede kleinste Regung des Hauses, sowohl ihrer eigenen Familie als auch des Butlers Wilson, der von den Aymara-Ureinwohnern abstammt und uns die andere Seite Boliviens zeigt.


Inside El Porvenir

Erika Harzer / Rainer Hoff mann, Schweiz / Honduras, 2011, 89’

El Porvenir heißt eines der beiden Gefängnisse in der honduranischen Stadt La Ceiba. Dort sitzen Christian Arzú, Julio Bolton, Rosny Castellanos und José Antonio Flores. Verurteilt wegen Mordes, Vergewaltigung, Raub und anderer Delikte oder noch in Untersuchungshaft. Christian und Julio waren Mareros, Mitglieder der im Drogen-, Waff en- und Menschenhandel involvierten Jugendbande Mara 18. »Inside El Porvenir« gibt einen Einblick in das Alltagsleben hinter den Mauern dieses Gefängnisses, in dem 2003 bei einem Massaker 69 Personen ums Leben kamen.


Cantar contra el olvido (Singen gegen das Vergessen)

Gabriel Caballeros Gálvez, Deutschland, 2010, 60′

Singen gegen das Vergessen” erzählt in knapp 60 Minuten die Geschichten von Cirilo und Nim Alae, zwei lateinamerikanischen Musikern, die beide ihre Heimatländer verlassen mussten. Chile und Guatemala. Cirilo ließ seine Heimat Chile im Jahr 1973, kurz nach dem Staatsstreich Augusto Pinochets, hinter sich, während Nim Alae 2010 aus Guatemala floh, als ihm die Situation überschäumender Gewalt und Repression in seinem Land keine andere Wahl mehr ließ. In ihren Berichten und Liedern erzählen die Protagonisten, auf welche Weise sie ihre

Erinnerung aufrechterhalten und von ihrem Willen, auch in Deutschland ein Bewusstsein für die Kämpfe ihrer Länder zu schaffen. Cirilo und Nim Alae leben heute in Berlin und geben in dem Dokumentarfilm einen Einblick in die Annäherungen und Entfremdungen, die sie in Berlin und Deutschland erleben.


Weil ich schöner bin

Frieder Schlaich, Deutschland 2012, 81 min

Charo ist 13, geht mit ihren Freunden in Berlin zur Schule und hat den coolsten aller Jungs im Visier. Ein ganz normales Teenie-Leben. Scheinbar. Denn was niemand weiß: Charo lebt seit Jahren ohne Papiere in Deutschland. Nicht einmal ihre beste Freundin Laura darf das wissen. Die Probleme spitzen sich zu, als ihre Mutter von der Polizei geschnappt wird und mit ihr nach Kolumbien zurück will. Charo muss sich Laura anvertrauen, denn allein schaff t sie nicht, was sie unbedingt will: Um ihre Zukunft in Deutschland kämpfen.


Una Noche

Lucy Mulloy, Kuba, 2012, 90’

Havanna heute. Lila, ihr Zwillingsbruder Elio und sein Freund Raúl wollen weg. Sie lieben ihre Heimatstadt, doch sie wollen nicht mehr eingesperrt sein im vermeintlichen Paradies. Nur neunzig Meilen trennen die Karibikinsel Kuba von Florida. Wie Unzählige vor ihnen wagen sie mit einem selbstgebastelten Floss die Flucht. Regisseurin Lucy Mulloy zeigt in ihrem Spielfi lmdebüt das Einzigartige und Magische dieser Stadt, spart aber auch die Schattenseiten eines überholten politischen Systems nicht aus. Eine Atmosphäre, in der die Jugendlichen zwischen Bleiben und Abhauen zerrissen sind. Grossstadtfilm und Meeresabenteuer zugleich.


Quijote

Juan Pablo Ríos, Kolumbien, Dok, 2012, 79’

Das ist die Geschichte des kolumbianischen Bauern Jairo William Guiérrez, der für das Theater lebt. Wenn er sich nicht gerade um das Vieh kümmert oder sein Land beackert, schreibt und produziert Jairo Theaterstücke für seine Theater-gruppe. Er, seine Frau, die beiden Töchter und einige Nachbarn aus der Bergregion treten sogar öff entlich auf. In bewegenden Bildern zeigt der Film die Liebe zum Theater, die weder vom gesellschaftlichen Status noch von einem bestimmten Bildungsniveau abhäng en muss, in einem Land, das nach wie vor von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt ist.


Gloria

Sebastián Lelio, Chile / Spanien, 2012, 110’

Gloria ist 58 Jahre alt, geschieden und ihre Kinder sind schon aus dem Haus. Doch allein will sie ihre Tage und Nächte nicht verbringen. Dem Alter und der Einsamkeit trotzend, tanzt sie voller Lebenslust auf Single-Partys und fl irtet, was das Zeug hält. Als sie den sieben Jahre älteren Rodolfo kennenlernt, scheint sie endlich eine neue Liebe gefunden zu haben. Doch was leidenschaftlich und liebevoll beginnt, wird für Gloria bald zu einer emotionalen Achterbahnfahrt. Zwischen Hoff nung und Enttäuschung schwankend erkennt sie schließlich, dass das Leben noch viel für sie bereithält. Denn diese Frau lässt sich nicht unterkriegen. Nach jedem Rückschlag steht Gloria wieder auf und ihr Stern strahlt heller als zuvor. »Gloria« war auf der diesjährigen Berlinale der große Publikums- und Kritikerliebling.


7 días en La Habana

Benicio del Toro /Pablo Trapero / Julio Medem / Elia Suleiman / Gaspar Noé / Juan Carlos Tabío / Laurent Cantet, Frankreich /Spanien, 2012, 129’

»7 Tagein Havanna« ist eine faszinierende Moment aufnahme dieser pulsierenden Stadt an 7 Tagen. Die 7 bekannten Regisseure Benicio del Toro, Pablo Trapero, Julio Medem, Elia Suleiman, Gaspar Noé, Juan Carlos Tabío und Laurent Cantet entführen den Zuschauer mit ihren lebendigen Geschichten in das Abenteuer Havanna. In »7 Tage in Havanna« lebt der unnachahmliche Rhythmus dieser Stadt auf, die leise Melancholie, das Rauschen des nahen Meeres, die Musik und der Tanz, die stets durch die romantisch verfallenen Gassen schwingen und diese Sehnsuchtsmomente in 7 packenden Episoden vereinen.


La gente del río -The River People

Martin Benchimol / Pablo Aparo, Argentinien, 2012, Dok, 70’

Ernestina – eine verlassene Kleinstadt nahe Buenos Aires 2012. Geblieben sind nur die Älteren. Jeder von ihnen steht für einen Aspekt dessen, was sie in der Vergangenheit gewesen sein muss. Doch in letzter Zeit sind mehrere Einrichtungen mutwillig beschädigt worden. Alle sind sich einig, dass das die »River People« waren. Die seltsamen Vorgänge selbst interpretiert jedoch jeder auf seine Weise. In dem argen tinischen Dokumentarfi lm zeichnen die Geschichten der Bewohner ein atmosphärisches Bild eines Ortes, in dem die Uhren angehalten wurden, um mehr als einer Realität Raum zu geben.